Wir sind auf dem Weg zum Gottesdienst am Sonntagmorgen. Weil wir nicht zu spät kommen wollen, laufen wir sehr schnell. Aber was ist das denn? Als wir die Hauptstraße wie sonst überqueren wollen, müssen wir uns zwischen einigen Autos hindurch schlängeln. Kaum zu glauben, dass es in unserer kleinen Ortschaft um diese Uhrzeit einen Stau gibt. Als er sich langsam auflöst, sehe ich auch die Ursache: Eine kleine Gänseherde hat gerade die Hauptstraße überquert und sich damit gemütlich Zeit gelassen. Diese Vögel leben schon eine ganze Weile bei uns im Ort und haben keine Angst mehr vor den Autos. Woher sie kamen, weiß man nicht so genau. Aber warum ziehen sie denn nicht in den Süden wie ihre wilden Artgenossen. Kannst Du mir das bitte erklären, Gott?

„Dass Zugvögel zum Überwintern in wärmere Gegenden fliegen, habe ich nicht in ihre Gene hineingelegt. Dieses Verhalten lernen die Jungtiere von den älteren Gänsen in ihrer Gänseherde. Bei den Gänsen, die ihr heute auf dem Weg zum Gottesdienst gesehen habt, handelt es sich wohl um Hausgänse, deren Vorfahren bestimmt jahrelang ein einem Standort gehalten wurden. Sie wissen einfach nichts davon, dass es vielleicht in einer anderen Gegend viel angenehmer ist, vor allem dann, wenn Frost und Kälte im Anmarsch sind. Solange sie trotzdem genügend Nahrung finden und nicht am Verhungern sind, werden sie vermutlich hier bleiben. Sie leben zwar in Freiheit und sind nun nicht unmittelbar in Gefahr, als Martinsgans im Ofen zu enden, aber sie werden dafür auch nicht gefüttert und müssen sich mühsam selbst über die Runden und vor allem über den Winter bringen. So leben auch viele meiner Kinder. Ich habe ihre Seele aus der Gefangenschaft der Sünde befreit und vor dem drohenden Tod bewahrt. Doch sie leben jetzt ihr Leben aus eigener Anstrengung und fristen ihren Alltag mühsam. Ich wünsche ihnen dann die Begegnung mit Menschen, die wissen, welch überreiches Nahrungsangebot für sie in meinem himmlischen Reich bereitsteht und die ihnen den Weg dorthin zeigen können.“

Oh ja, gerade jetzt im Herbst kenne ich diese Tage, die einem sehr mühsam und grau vorkommen und die viel Kraft kosten. Wie schön ist es dann, in Gottes Gegenwart die Seele auftanken zu lassen. Lasst uns einander immer wieder dazu ermutigen, in diese himmlischen Sphären aufzubrechen, gerade dann, wenn die Lebensumstände nicht einfach sind.

„Unsre Seele ist entronnen wie ein Vogel dem Netze des Vogelfängers; das Netz ist zerrissen, und wir sind frei.“ Psalm 124, 7