Es ist Mittagspause. Meine Kolleginnen haben ihre Pause schon beendet. Deshalb sitze ich alleine hinter dem alten Bürohaus vor dem verwilderten kleinen Garten und genieße mein Salami-Sandwich, das ich mir von zu Hause mitgebracht habe. Wie so oft kriege ich nach dem herzhaften Essen Appetit auf etwas Süßes. Mein Blick schweift umher und bleibt an einem Pfirsichbaum hängen. Ich stehe auf und sehe mir die Früchte genauer an. Schade, sie sind noch ganz grün, also als Nachtisch ungeeignet. Gott, warum muss es denn immer so lange dauern, bis die Früchte reif werden und man sie essen kann?
„Nun sei doch nicht so ungeduldig, meine liebe Tochter! Was glaubst du, wie lange ich oft warten muss, bis die Gaben meiner Kinder soweit gereift sind, dass ich sie gut für den Bau meines Reiches verwenden kann. Es ist jedes Mal eine Versuchung für sie, mit ihren Gaben herum zu prahlen, sobald sie eine entdeckt haben. Fast immer kriegen die Menschen, denen sie dann die unreifen Früchte vorsetzen, davon Bauchschmerzen oder Schlimmeres. Und sie selbst wundern sich darüber, wenn sie Spott oder Ablehnung ernten und sich damit Ärger einhandeln. So wie jede Frucht eine gewisse Anzahl Sonnenstunden, ein gewisses Quantum an Regenwasser und Nährstoffen aus dem Boden benötigt um zu reifen, so ist es auch notwendig, dass meine Kinder ihre Gaben mit mir zusammen weiterentwickeln, sich meinen Worten aussetzen und sich von mir holen oder geben lassen, was dazu nötig ist, damit die Frucht dieser Gaben den anderen gut schmeckt und gut tut.“
Nachdenklich beende ich meine Mittagspause und gehe wieder an die Arbeit. Bin ich etwa zu stolz geworden und bin unvorsichtig mit meinen Gaben umgegangen? Gott, wenn das so ist, bitte vergib mir und hilf auch denen mir zu vergeben, die darunter leiden mussten.
„Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.“ Galater 5, 22+23a