Ich komme ziemlich erschöpft von der Arbeit nach Hause. Als ich die Treppe zur Haustüre hinaufsteige fällt mein Blick auf die Lilien, die ich dort in einen Pflanzstein gesetzt hatte. Sie sehen ähnlich erschöpft aus wie ich und bei genauerem Hinsehen erkenne ich auch die Ursache: Alle Blätter zeigen schleimige Fraßspuren – Schecken!!!! Auch die Blüten sind diesen gefräßigen Tierchen zum Opfer gefallen. Ich hole die Packung Schneckenkorn heraus und habe nur eins im Sinn: Diese gefräßigen kleinen Biester sollen es büßen, dass sie mir die schönen Lilien kaputtmachen. Vorwurfsvoll grummelt es in mir: Gott, was hast Du Dir bloß dabei gedacht, solche widerlichen, schleimigen Kriechtierchen zu schaffen?

„Ich kann deinen Ärger gut verstehen, meine liebe Tochter. Gerade Lilien sind wunderschöne Blumen und es ist sehr schade, wenn die Blüten und Blätter der Pflanzen abgefressen werden, die du selbst eingepflanzt hast. Die Schnecken meinen es nicht böse; sie fressen einfach das, was auf ihrem Weg ist und was ihnen am besten schmeckt. Die meisten meiner Kinder meinen es auch nicht böse, wenn sie sich nochmal im Bett umdrehen anstatt morgens mit mir zu frühstücken und auf mich zu hören oder zum Gottesdienst zu gehen oder wenn sie einen Impuls, den ich ihnen gegeben habe nach einiger Zeit wieder vergessen. Die Trägheit ist ein gefräßiger Feind, der schon viel Gutes verhindert und meinen Kindern vorenthalten hat. Wunderbar ist die Freude, die es ihnen und mir bereitet, ihre Gaben blühen zu sehen oder wie die Worte, die ich ihnen sage, sie zum Wachsen bringen. Meine Kinder wissen oft gar nicht, was ihnen entgangen ist und ich warte geduldig bis zur nächsten Blütezeit …“

Ups, auch ich liebe mein Bett und vertrödle darin morgens viel Zeit, auch den ein oder anderen Sonntag. Hatte Gott etwa im letzten Gottesdienst etwas für mich vorbereitet? Ich werde es vermutlich nicht erfahren. Aber ich nehme mir jetzt die Zeit und gebe dem Heiligen Geist die Gelegenheit, mich an die Impulse Gottes zu erinnern, die in Gefahr sind, dass ich sie vergesse. Mach doch auch du dir eine göttliche Pinnwand gegen die Trägheit des Vergessens.

„Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn.“ Römer 12, 11

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