Der kleine Urlaubsort liegt malerisch in einer Bucht an der Meeresküste. Seine Kirche steht in der Mitte auf einer kleinen Anhöhe, so dass die zwei weißen Kirchtürme schon von weitem zu sehen sind. Sie haben auch mich angelockt und nun stehe ich in der Mittagshitze vor der Kirchentür. Leider ist sie verschlossen und verwehrt mir den Zutritt zu diesem alten Gebäude. Da, vor meinen Füßen flitzt eine Eidechse vorbei und verschwindet blitzschnell in einem Spalt unter den Treppenstufen. “Die hat es gut”, denke ich, “sie findet hier jederzeit einen Schattenplatz”. Gott, wie gerne würde ich jetzt mit dieser kleinen Kreatur tauschen, anstatt in der Mittagssonne zu schwitzen.
“Das willst du nicht wirklich. Die Eidechsen sind wechselwarm und haben keine Möglichkeit, ihre Körpertemperatur selbst zu steuern. Sie sind immer auf der Suche nach sonnigen Plätzen, um Energie zu tanken. Aber wenn die Sonne nicht scheint oder es gar sehr kalt wird, dann können sie sich mitunter kaum bewegen. Ich habe ihnen die Fähigkeit, Energie längere Zeit zu speichern, bewusst vorenthalten. Sie kriechen mal schnell und mal langsam über den Erdboden und signalisieren dabei eine Warnung an den Betrachter: Es ist sehr mühsam, immer von den Lebensumständen abhängig zu sein. Viel besser sind diejenigen dran, die sich einen Energievorrat schaffen und dann in schwierigen Umständen davon zehren können. Wer meine wärmende Liebe spürt und all das Gute, das ich ihm tue, wahrnimmt und die Erinnerungen daran in einem dankbaren Herzen speichert, der wird nicht so schnell von schwierigen Situationen ausgebremst.”
Voll Dankbarkeit über diese kleine Warnung der Eidechse laufe ich um die Kirche herum in der Hoffnung, vielleicht doch eine offene Tür zu finden. Stattdessen sehe ich eine kleine Bank im Schatten eines Baumes. Dort lasse ich mich nieder und versuche, mir weitere Begebenheiten ins Gedächtnis zu rufen, die von Gottes Güte und Liebe in meinem Leben zeugen.
“Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.” Psalm 103, 2