Ich stehe am Grab meiner Eltern. Oft komme ich nicht in meinen Heimatort zurück, denn inzwischen wohne ich gut drei Stunden entfernt. Meine Gedanken schweifen zurück in meine Kindheit und Jugend und das Herz wird mir schwer. Gerne hätte ich meine Eltern länger behalten. Das kleine Windrad, das ich eben in den Blumenkasten gesteckt habe, beginnt sich zu drehen. Da kommen zwei Schmetterlinge mit fröhlichem Auf und Ab angeflattert und lassen sich auf den Blüten nieder. Irgendwie wirken die beiden bunten Schmetterlinge etwas befremdlich in dieser Friedhofsumgebung zwischen den Gräbern. Ihre Leichtigkeit scheint nicht in die traurige Stimmung zu passen; oder was meinst Du dazu, Herr?
„Sie flattern genau am richtigen Ort. Schmetterlinge sind die geborenen Ermutiger und überall dort am passenden Platz, wo Menschen gerade in einer Krise stecken. Sie bekommen ihre Flügel und ihre Leichtigkeit erst, nachdem sie den Prozess der Verwandlung in ihren engen Kokons durchgemacht haben. So sollen sie die Menschen in schweren Situationen daran erinnern, dass ich fähig bin, sowohl die Situationen, als auch sie selbst zu verändern. Der Prozess des Sterbens ist die letzte große Krise, die ein Mensch durchstehen muss. Aber diejenigen, die sich von mir verwandeln lassen und vertrauensvoll in den Tod gehen, die werden mir auch wie die Schmetterlinge in der Luft entgegenfliegen, wenn ich sie eines Tages aus den Gräbern rufen werde.“
Die beiden Schmetterlinge erheben sich von den Blüten, tanzen ein paarmal in der Luft umeinander herum und flattern schließlich davon. Nachdenklich blicke ich ihnen nach. Welche Freude wird es sein, wenn Jesus wiederkommt und wir ihm in der Luft entgegenfliegen dürfen. Dann werde ich hoffentlich auch meine Eltern wiedersehen. Getröstet mache ich mich auf den weiten Heimweg.
„Das Warten der Gerechten wird Freude werden; aber der Gottlosen Hoffnung wird verloren sein.“ Sprüche 10, 28