Bsssss … Bss … Bsss … ein wohlbekannter, nicht sehr lauter, aber trotzdem die Stille des Morgens durchdringender Ton weckt mich. Eine Stubenfliege hat auch in unserem Schlafzimmer übernachtet und folgt nun den ersten Lichtstrahlen, die durch die Jalousien dringen und versucht beständig, die Glasscheibe zu durchbrechen. Ohne Erfolg bzw. mit dem Erfolg, dass ich nicht mehr schlafen kann, obwohl ich heute hätte ausschlafen können und auch wollen. Sie ist wohl beim Lüften gestern ins Haus hineinkommen. Etwas genervt mache ich Gott innerlich den Vorwurf, sich nichts dabei gedacht zu haben, als er diese meiner Meinung nach lästigen und nutzlosen Stubenfliegen geschaffen hat. Doch prompt nimmt er sich die Zeit, es mir zu erklären:
„Meine liebe Tochter, irgendjemand muss doch die Drecksarbeit erledigen. Diese ungeliebten Insekten sorgen mit dafür, dass der Mist und Kot verschwindet, der auf der Erde herumliegt. Sie sind ein wichtiger Teil der Biomüllabfuhr in der Natur. Fliegen können Buttersäure als Indiz für Fäulnis riechen und legen dann ihre Eier dorthin, damit die Larven den Mist auffressen. Ich habe ihnen auch Flügel geben, sonst wären sie nicht überallhin gekommen. Ich freue mich darüber, dass die Fliegen diesen wertvollen Dienst an der Natur tun. Und genauso freue ich mich über Menschen, die sich nicht zu schade sind, sondern den Mist, den andere produzieren, entsorgen. Wer tote Worte und Werke erkennt und die anderen ermahnt, ist meist nicht beliebt in der Gemeinde, er tut aber dennoch einen sehr wertvollen Dienst!“
Oh ja, das hat gesessen. Diese Ermahnung gibt mir zu denken. Und ich werde in Zukunft gut überlegen, ob die Menschen, die mich ermahnen es nicht vielleicht doch eigentlich gut mit mir meinen. Gibt es in deinem Leben Menschen, die dich ermahnen dürfen, ohne dass sie befürchten müssen, dass du ihnen dann die Freundschaft kündigst?
„Lässt du ab, mein Sohn, auf Ermahnung zu hören, so irrst du ab von vernünftiger Lehre.“ Sprüche 19, 27